Am 2. Oktober 1977 bringt Ilie Nastase Sand-Ass Guillermo Vilas in einem Tennis-Finale zur Verzweiflung – mit einem Schlรคger, der eine eigentรผmliche Bespannung hatte.
Der Schlรคger, der beinahe den Tennissport revolutioniert hรคtte, steht heute im Wimbledon-Museum. Sein besonderes Merkmal: Er ist doppelt besaitet. Plastikrรถhrchen verbinden die Quersaiten mit den beiden vertikalen Saiten. Die Optik erinnert an Spaghetti. So kam der Schlรคger auch zu seinem zeitgenรถssischen Namen: das „Spaghetti-Racket“.ย (So sieht der Spaghetti-Schlรคger aus)
Andere bezeichneten den Schlรคger als „Fliegenklatsche“. Oder als die „Vilsbiburger Keule“. Dieser Ausdruck geht auf den Wohnort des Erfinders zurรผck. Sein Name lautet Werner Fischer. Der Mann wohnte im niederbayerischen Vilsbiburg. Er war ein Hobbyhandwerker, der gerne tรผftelte. So schreibt es die taz in einem Artikel รผber Fischer.
Als dieser 1972 in seiner Gartenlaube bastelte, wusste er nicht, dass er spรคter indirekt fรผr einen groรen Tennis-Eklat verantwortlich sein wรผrde. Fischer experimentierte mit der Bespannung. Zwei Schichten lรคngs, eine quer โ diese Kombination gefiel ihm.
Harte Schlรคge landen im Feld
Der Schlรคger, der spรคter auch den Beinamen „Fischer-Patsche“ erhielt, hatte zwar einen Nachteil. Er verlangsamte den Ball. Dafรผr bekam die gelbe Filzkugel beim Absprung vom Boden einen neuen Drall, die Flugbahn war meistens unberechenbar. Der Ball lieร sich auch hart schlagen, ohne im Aus zu landen.
Einige Spieler des TC Grรผn-Weiร Vilsbiburg lieรen sich fortan den Schlรคger auf Fischer-Art bespannen. Mit Erfolg. Die „Fliegenklatsche“ machte bei den Spielen oft den Unterschied. Den Vilsbiburgern gelangen Auรenseitersiege. Es ging aufwรคrts fรผr die Mannschaft aus dem Landkreis Landshut. 1977 schaffte der Klub sogar den Aufstieg in die Bundesliga.
Die Geschichte vom Wunderschlรคger machte derweil in der Profiszene die Runde. Spieler lieรen sich ihr Racket im Stile der „Fischer-Patsche“ besaiten.
Philipps-Moore holt einen Sieg bei French Open
Bei den French Open 1977 schlug Barry Philipps-Moore mit der „Fliegenklatsche“ auf. In der ersten Runde schaffte der Australier einen souverรคnen Dreisatzsieg รผber den Chilenen Patricio Cornejo. In der zweiten Runde konnte ihm der Schlรคger auch nicht mehr weiterhelfen. Der Ungar Balazs Taroczy war zu stark.
Das groรe Spiel mit einem „Spaghetti-Racket“ sollte aber erst noch kommen. Es war am 2. Oktober, vor genau 42 Jahren, bei einem ATP-Turnier im franzรถsischen Aix-en-Provence.
Tiriac spielt eine Rolle beim Verbot
Doch bevor der Siegeszug der „Fischer-Patsche“ weiterging, schaltete sich der Tennis-Weltverband ein. Er verbot die unkonventionelle Bespannung. Ion Tiriac, damals Vilas‘ Manager, soll laut einem Bericht des Schweizer Tagesanzeiger auf die Regelhรผter eingeredet haben.
Nastase gewann hinterher kein Sandplatzturnier mehr. Auch fรผr die Tennisspieler aus Vilsbiburg ging es bald wieder bergab. Das Abenteuer Bundesliga war nur von kurzer Dauer. Immerhin schaffte es ein Klubmitglied noch nach Wimbledon โ wenn auch nur als Aussteller im Museum.